Bestandene Prüfung im Motorflug

Am 11. Juli 2026 bestand Andreas Stephan erfolgreich seine LAPL (A) Prüfung. Von diesem
besonderen Tag erzählt er:
„An einem warmen, wolkenlosen Samstagmorgen im Juli war meine praktische Prüfung für die Light
Aircraft Pilot Licence, kurz LAPL. Diese Lizenz berechtigt, den Piloten einmotorige Flugzeuge mit bis
zu zwei Tonnen Abfluggewicht und maximal drei Passagieren an Bord zu fliegen. Den Termin für
diese Prüfung hatte ich bereits zwei Wochen vorher mit meinem vom Landesbetrieb Mobilität
Rheinland-Pfalz (LBM RP) zugewiesenen Prüfer, Herrn Heinrichs, vereinbart. Da ich bereits über einen
Segelflugschein und eine TMG-Berechtigung (auch Reisemotorsegler genannt) verfügte, entfiel ein
theoretischer Test. Einige Tage vor der Prüfung telefonierte ich ein letztes Mal mit meinem Prüfer,
um meine Navigationsaufgabe, also den Zielflugplatz zu erfahren. Es sollte nach Speyer gehen.
Eine Stunde vor Prüfungsbeginn bereitete ich meine Prüfungsmaschine, eine Diamond DV-20
„Katana” vor. Das zweisitzige Flugzeug zeichnet sich durch ein maximales Abfluggewicht von 730
Kilogramm aus. Vor jedem Flug muss das ganze Flugzeug durchgecheckt, mit der richtigen Menge
Kraftstoff betankt, sowie der Öl- & Kühlmittelstand kontrolliert werden. Als der Prüfer schließlich zur
vereinbarten Uhrzeit um 10 Uhr eintraf, ging es nach einer kurzen Begrüßung direkt los. Er wollte
zunächst im Vereinsgebäude meine Flugvorbereitung und meinen Flugdurchführungsplan einsehen.
Die Flugvorbereitung hatte ich einen Tag vorher fertiggestellt. Hierzu gehören immer das
Wetterbriefing, die Auswahl der Flugroute mit markanten Wegpunkten und einem dem Ziel nahen
Ausweichflugplatz, die Treibstoffberechnung und die Gewicht- und Schwerpunktberechnung.
Anschließend stellte er mir noch einige Theoriefragen bezüglich Luftfahrzeugkunde, betriebliche
Verfahren, Flugleistung und Flugplanung.
Nun ging es auch schon nach draußen zum Flugzeug. Wir machten gemeinsam noch einen Rundgang
um die „Katana“, während er mir noch ein paar weitere Fragen stellte. Gegen 11 Uhr nahmen wir in
der DV-20 Platz und ich ging die Checkliste für den Triebwerksstart durch. Nachdem der Motor
warmgelaufen war, meldete ich mich im Funk auf unserem Turm an und rollte zum Rollhalt der Piste 04.
Dort führte ich den Run-Up durch; hierbei werden die beiden Magnetzündsysteme des Motors,
der Verstellpropeller und die Vergaservorwärmung getestet.
Nach der Abflugkontrolle konnten wir mit circa 57 Knoten (105 km/h) bei starkem Gegenwind
abheben. In einer Reiseflughöhe von 3500 Fuß (ca. 1100m) ging es mit Steuerkurs 133°
(Himmelsrichtung SO) in Richtung Speyer. Die berechneten Zeiten aus dem Flugdurchführungsplan
für die einzelnen Streckenabschnitte gingen perfekt auf. Auf etwa halbem Weg nach Speyer sollte ich
jeweils eine Steilkurve mit 45° Querneigung nach links und rechts drehen. Außerdem wurden noch
verschiedene andere Flugmanöver wie z. B. Langsamflug, durchgeführt. Kurz vor Speyer sagte Herr
Heinrichs:
„Planänderung! Flieg bitte zu deinem Ausweichflugplatz.”
Dieser war Bad Dürkheim, welchen ich mir in meiner Vorbereitung genau angesehen hatte. Circa 5
Minuten vor Ankunft versuchte ich eine Funkverbindung herzustellen, bekam jedoch nur eine
Antwort durch einen ansässigen Piloten aus Bad Dürkheim: „Der Turm ist nicht besetzt.”
Daraufhin beschloss ich zum zehn Flugminuten entfernten Worms abzudrehen. Mein Prüfer stimmte
zu. Nachdem ich uns erfolgreich per Funk am Wormser Flugplatz angemeldet hatte, flog ich einen
Direktanflug auf die Piste 06 und führte ein Touch and Go mit eingefahrenen Landeklappen durch.
Noch im Steigflug in circa 750 Fuß Höhe zog mir der Prüfer das Gas über dem Rhein raus, was einen
Triebwerksausfall nach dem Start simuliert. Ich drückte direkt die Nase der „Katana” herunter, um
die Geschwindigkeit bei 70 Knoten zu halten und setzte die Landeklappenstufe auf 1. In dieser
Konfiguration für das beste Gleiten kommt man im Notfall am weitesten. Schnell drehte ich gegen
den Wind und suchte mir einen passenden Acker für eine anstehende Notlandung aus. Dem Prüfer
teilte ich meine Absichten zeitgleich mit. Zufrieden schob er den Gashebel wieder nach vorne. Ich
konnte den Flug normal in Richtung Heimat Bad Sobernheim fortführen.
Nachdem wir wieder auf unserer Reiseflughöhe von 3000 Fuß angekommen waren, passierten wir
Alzey. Von diesem Punkt aus konnte man schon gut Bad Kreuznach sehen. Zwischendurch war auch
etwas Zeit für Smalltalk. So erfuhr ich, dass mein Prüfer in seiner Jugend genauso wie ich vor der
manntragenden Fliegerei erst mit Modellflug begonnen hatte. Der Einstieg in die bemannte Luftfahrt
erfolgte wie bei Vielen über die Segelfliegerei.
Überraschend kurz vor einem kleinen Waldgebiet zog der Prüfer erneut den Gashebel zurück in den
Leerlauf: Simulierter Motorausfall im Reiseflug. Als Pilot ist es wichtig, jederzeit den Luftraum sowie
die Umgebung zu beobachten und sich nicht ablenken zu lassen. Wie bei der vorherigen Übung flog
ich mit circa 70 Knoten, Landeklappenstufe 1 und suchte mir einen geeigneten Acker, um die
simulierte Notlandung durchzuführen. Die Entscheidung fiel schnell auf ein schönes, langes,
abgeerntetes Kornfeld, welches in Windrichtung lag. Sobald klar war, dass die Landung sichergestellt
war, war der Prüfer zufrieden und ich durfte wieder normal weiterfliegen. Kurz vor Bad Sobernheim
stellte ich wieder eine Funkverbindung mit dem Turm des Flugplatzes her und kündigte meine
Landung an. Nachdem wir die Platzrunde in einer Höhe von 1800 Fuß erreicht hatten, flog ich den
Gegen-, Quer- und Endanflug für die Piste 04 und landete.
Nach der Landung rollten wir zurück zu den Hangars, wo ich die „Katana” abstellte. Mit Erreichen der
Parkposition und Abstellen des Motors war die Prüfung nach anstrengenden zwei Stunden zu Ende.
Als ich die Kabinenhaube öffnete, gratulierte mir der Prüfer herzlich zu meiner bestandenen Prüfung
und damit auch meiner neu erworbenen Lizenz. Anschließend wurde nur noch ein wenig Papierkram
erledigt. Jetzt heißt es warten. Der Flugschein wird mir in den nächsten Wochen per Post zugestellt
werden.“
Der Flugsportverein Bad Sobernheim und Umgebung e.V. wünscht Andreas weiterhin viele schöne
Flugerfahrungen.